IBB Strombojen in der Aare

Faktenblatt zum Konzessionsgesuch für 6 IBB Strombojen in der Aare bei Brugg

Unbekannte ökologische Risiken in wertvollem Aareabschnitt

Innovative Technologien zur Förderung von erneuerbaren Energien sind generell zu begrüssen und werden von den Umweltverbänden unterstützt. Ein wertvoller Gewässerabschnitt in der Aare ist aber kein geeigneter Standort für ein solches Pilotprojekt. Die ökologischen Auswirkungen von Strombojen sind noch sehr unzureichend erforscht.

«Der betroffene Standort ist einer der letzten noch frei fliessenden Abschnitte der Aare – und somit kein geeigneter Standort für ein Strombojen-Pilotprojekt.»

Ein Pilotprojekt ist ein Versuch. Erst nach einer umfassenden Analyse des Versuches kann über eine längere Konzessionsdauer entschieden werden. Es ist nicht zu verantworten einen solch wertvollen Lebensraum zu einem Versuchslabor für Jahrzehnte zu erklären.

«Für ein Pilotprojekt reicht eine Konzession von wenigen Jahren. Erst danach kann über eine längere Konzessionsdauer entschieden werden.»

Hintergrund

Der betroffene Standort gehört zu den letzten frei fliessenden Abschnitten der Aare und besitzt als Lebensraum vor allem für rheophile (strömungsliebende) Arten eine grosse Bedeutung. Zum Beispiel ist die Region ein wichtiger Lebensraum für die Äsche (Äschenvorkommen von nationaler Bedeutung), die durch die Berner Konvention europaweit geschützt ist und in der Schweiz auf der Roten Liste steht. Ausserdem befinden sich oberhalb des Standortes auch Nasenlaichplätze von nationaler Bedeutung, ebenfalls eine gefährdete Art. Ohne konkrete Ergebnisse über die ökologischen Auswirkungen an diesem Standort, wurde für das Projekt eine Konzession für ganze 40 Jahre beantragt.

Die 6 Strombojen sollen pro Jahr lediglich 1.7 GWh Energie produzieren, was dem Strombedarf von 425 Haushalten entspricht. Die Gestehungskosten von 19.3 Rappen pro kWh liegen ein Vielfaches über dem Marktpreis. Das 3.5 Millionen Franken teure Projekt ist nur dank Fördermitteln des Bundes (KEV) für die Betreiberin überhaupt finanziell tragbar und wird auch langfristig nicht rentabel sein.

Konflikte

Unbekannte ökologische Auswirkungen

Es ist bisher nicht klar bewiesen, dass Fische durch die Turbinenpassage keine Schäden erleiden. Da die Strombojen nur mit Grobrechen (12 cm) ausgestattet sind, kann nicht von Massnahmen zum Fischschutz gesprochen werden. Die 6 Tonnen schweren und über 11 Meter langen Strombojen liegen bei Niedrigwasser auf dem Grund auf, was ohne weitere Untersuchungen nicht als unproblematisch betrachtet werden kann. Eine Konzessionsdauer von 40 Jahren ist unverhältnismässig lang für eine neue Technologie ohne Erfahrungswerten.

Problematischer Standort

Ein natürlicher und äusserst seltener Gewässerabschnitt und wertvolles Habitat für gefährdete Arten ist kein geeigneter Standort für neue Technologien, deren Folgen noch schwer abzuschätzen sind. Besser geeignet wären bereits genutzte Gewässerabschnitte wie beispielsweise Ober- oder Unterwasserkanäle. Das Projekt steht zudem im Widerspruch zum Richtplan des Kanton Aargaus, der keine Neubauten von Kleinwasserkraftwerken für die Aare zulässt. Dies gilt auch für Strombojen.

Unverhältnismässig

Das Projekt ist ein Eingriff in einen wertvollen frei fliessenden Aareabschnitt und dies für eine äusserst kleine Stromproduktion. Die Opferung eines wertvollen Lebensraumes für einen geringen Energieertrag widerspricht an diesem Standort dem Verhältnismässigkeitsprinzip und entspricht somit nicht einer zweckmässigen Nutzbarmachung der Wasserkräfte wie sie gesetzlich vorgegeben ist.

Forderungen

Der WWF hat am 22.12.2015 gegen das Konzessionsgesuch eingesprochen. Wir fordern die Wahl geeigneter Standorte, einer einem Pilotprojekt angepassten Konzessionsdauer und ein umfassendes Monitoring für alle Umweltbereiche. Nur so kann eine gute Basis für diese neue Technologie geschaffen werden.

3D Modell einer Stromboje; IBB Energie AG
Projektstandort Strombojen; IBB Energie AG
Äsche (Thymallus thymallus); Wikipedia Commons
Stromboje; IBB Energie AG
Nase (Chondrostoma nasus); © Christa Rohrbach
 
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