Umfahrung Mellingen

Faktenblatt zur Umfahrungsstrasse durch die national geschützte Reusslandschaft

Wertvolle Reusslandschaft schützen

Die Bevölkerung Mellingens soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Soweit sind sich alle Beteiligten einig. Uneinigkeit besteht dabei, wie das geschehen soll. Das Umfahrungsprojekt des Kantons mit der massiven Brücke beeinträchtigt die geschützte Landschaft mit ihren wertvollen Lebensräumen in der Reuss und an deren Ufer. VCS und WWF verlangen die ernsthafte Prüfung von weniger schädlichen Varianten.

«Kosmetische Veränderungen des Projekts reichen nicht aus, um es verträglich für Natur und Landschaft zu machen.»

Landschaftseinpassung, Schutz gefährdeter Fischarten, Verbindlichkeit der Verkehrsberuhigung sowie ökologischer Ausgleich und Ersatz für die Eingriffe in die Natur und Landschaft sind ungenügend und müssen deutlich verbessert werden.

«Verwaltungsgericht und Bundesgericht geben Umweltverbänden Recht: Das Strassenprojekt muss überarbeitet werden.»

Hintergrund

Das geplante Strassenbauprojekt «Umfahrung Mellingen» durchquert die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung geschützte Reusslandschaft.

Die neue Brücke käme in den Talabschnitt nördlich von Mellingen und knapp oberhalb des Durchflusses des Wildflusses durch die klassische Wallmoränenlandschaft zu liegen. In diesem sensiblen Abschnitt würden zwei massive Brückenpfeiler in der Reuss und zwei weitere in unmittelbarer Ufernähe erstellt. Dazu kommen die massiven Brückenwiderlager mit entsprechenden Dammschüttungen. Unter der Brücke und in deren unmittelbarer Umgebung würde die Landschaft ausgeräumt und die Ufervegetation dauerhaft beseitigt.

Das ursprüngliche Projekt hätte zusätzlich den Hügel Gruemet angeschnitten, der als geomorphologisches Objekt von nationaler Bedeutung geschützt ist. Aufgrund der Beschwerde der Umweltverbände und dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, verschob der Kanton das Strassenprojekt ein wenig, so dass der Hügel nicht mehr direkt beeinträchtigt wird. Die Beeinträchtigung der Landschaft und des Lebensraums der Reuss mit ihren Ufern und der Ufervegetation bleibt auch im überarbeiteten Projekt.

Stand des Verfahrens

Das vom Verwaltungsgericht in Auftrag gegebene Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission ergab, dass das Projekt zu starke, negative Auswirkungen auf die Reuss und ihre Ufer hat. Das Verwaltungsgericht wies deshalb im Dezember 2015 den Brücken-Abschnitt der Umfahrungsstrasse an die Regierung zurück. Ende 2016 geschah das durch das Bundesgericht auch für den südlichen Abschnitt.

Im November 2015 preschte der Kanton mit der Auflage eines nur kosmetisch veränderten Projekts vor und ignoriert die gerichtlichen Auflagen für das Projekt. Die Projektierung der Umfahrung Mellingen weist auch in der überarbeiteten Form erhebliche Mängel und ist bis auf kleine Änderungen eine Neuauflage der ursprünglichen Variante. VCS und WWF Aargau erhoben deshalb im Februar 2016 gegen die Neuauflage Einwendung. Seither ist das Verfahren beim Regierungsrat hängig.

Konflikte

Mit den rein kosmetischen Änderungen an der Brücke (Leitplanken statt Brüstung) wird Beeinträchtigung der Reusslandschaft nicht ausreichend reduziert. Zudem ist die Sperrung der Altstadt für den Durchgangsverkehr bis heute nicht ausreichend rechtlich gesichert. Auch die vom Verwaltungsgericht explizit als notwendig erklärte Richtplananpassung bei den Fruchtfolgeflächen wurde bisher nicht vorgenommen. Nicht zuletzt fehlt ein angemessener konkreter ökologischer Ausgleich und Ersatz für die Eingriffe in die Natur und Landschaft und der vom Verwaltungsgericht ausdrücklich geforderte Nachweis, dass die Brücke keine negativen Auswirkungen auf gefährdeten Fischarten (z.B. Nase, Äsche) hat.

Ungenügende Variantenprüfung

Varianten, welche einen kleineren Eingriff in Natur und Landschaft zur Folge gehabt hätten, wurden nie vertieft geprüft. VCS und WWF fordern insbesondere die genaue Prüfung von Tunnellösungen und grossräumigen Umfahrungen ohne eine neue Reussbrücke.

Forderungen

Wir fordern, dass Varianten geprüft werden, welche den Lebensraum der Reuss und ihrer Ufer nicht oder weniger stark beeinträchtigen. Es ist nicht die günstigste, sondern die für Natur und Landschaft verträglichste Variante zu realisieren. Die Verkehrsberuhigungsmassnahmen müssen wirksam und rechtlich verbindlich Teil des Strassenprojekts sein, dazu gehört insbesondere die Sperrung der Altstadt für den Durchgangsverkehr.

Standort der geplanten Reussbrücke; J. Egger, Wikimedia Commons
Umfahrungsstrasse (rot), BLN-Schutzgebiet (Gelb); Luftbild AGIS 2012
Visialisierung der Reussbrücke: © Swiss Interactive AG
Biber-Lebensraum Bedroht; Fred F. Hazelhoff / WWF
Nase (Chondrostoma nasus); © Christa Rohrbach
Äsche (Thymallus thymallus); Wikipedia Commons
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