Mehr Leben in Aargauer Bächen: «Fischer schaffen Lebensraum» zieht erfolgreiche Bilanz
22. Oktober 2026
Mit vergleichsweise einfachen Massnahmen lassen sich Bäche ökologisch deutlich aufwerten. Genau hier setzt «Fischer schaffen Lebensraum» an. Fischereivereine verbessern in Handarbeit mit sogenannten Instream-Massnahmen die Strukturen in und an kleineren Fliessgewässern. Mit Holz, Wurzelstöcken, Kies oder gezielt eingebauten Strukturen entstehen vielfältigere Strömungsverhältnisse, Verstecke und Laichplätze für Fische sowie Lebensräume für weitere Wasserorganismen.
Für die erste Aargauer Projektphase von 2024 bis 2026 standen drei Ziele im Zentrum: Bachlebensräume mit Instream-Massnahmen aufzuwerten, Bevölkerung und Öffentlichkeit für lebendige Gewässer zu sensibilisieren und ein funktionierendes kantonsweites Projekt aufzubauen. Finanziert wurde die Projektphase mit Beiträgen des Kantons Aargau, des Aargauischen Fischereiverbands (AFV), des WWF Aargau und des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV).
Gemeinsam anpacken für lebendige Bäche
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist das gemeinsame praktische Arbeiten am Gewässer. In der ersten Projektphase konnten so insgesamt über 1600 Meter Gewässer aufgewertet werden. Dafür fanden verschiedene Workshops und Arbeitseinsätze statt, so unter anderem an der Uerke, am Chiesbach, dem Ruederchen oder dem Holzbach. Die Fischereivereine werden dabei nicht allein gelassen. Freiwillige des WWF Aargaus unterstützen sie bei Bedarf. Vorgesehene Aufwertungen werden mit den zuständigen kantonalen Stellen vorbesprochen und von diesen geprüft. Bei Bedarf stehen Fachpersonen für Planung und Umsetzung zur Verfügung.
Wirkung an der Uerke sichtbar
Dass sich der Einsatz lohnt, zeigen erste Daten der Erfolgskontrolle an der Uerke. Dort wurden durch das Projekt zusätzliche Strukturen und Kies für Laichplätze eingebracht. Die Wirkung wurde nach der Methodik der BAFU-Wirkungskontrolle Revitalisierung untersucht.
Bei der Befischung im September 2026 wurden auf der aufgewerteten Strecke fünf Fischarten festgestellt. Die Fischbesiedlung der Projektstrecke erhielt gemäss BAFU-Wirkungskontrolle die Gesamtbewertung «gut». Die unterhalb gelegene Referenzstrecke mit vier nachgewiesenen Fischarten wurde dagegen als «mässig» bewertet.
Bei der Kontrollabfischung im September 2026 wurde eine Verbesserung des Fischbestandes in der aufgewerteten Strecke festgestellt. Insbesondere die Zusammensetzung der verschiedenen Altersklassen der Forellen hat sich verbessert und in eine natürliche Richtung entwickelt. In der aufgewerteten Strecke konnte darüber hinaus das Vorkommen einer weiteren Fischart (Schneider) nachgewiesen werden.
«Die ersten Ergebnisse an der Uerke zeigen exemplarisch, was wir mit dem Projekt erreichen wollen: gemeinsam mit den Fischereivereinen direkt vor Ort handeln und mit überschaubaren Massnahmen bessere Lebensräume in unseren Bächen schaffen», sagt Daniela Eichenberger, Projektleiterin von Fischer schaffen Lebensraum.
Abschluss und gleichzeitig Startschuss für die nächste Phase
Am 16. Oktober 2026 wurde die erste Projektphase bei einem Abschlussanlass am Seezopf in Meisterschwanden gewürdigt. Auf dem Programm standen ein Rückblick auf die vergangenen drei Jahre, eine Besichtigung der Aufwertung des Dorfbachs vor Ort durch den Fischerverein Seetal sowie der Austausch zwischen den Beteiligten.
«Dank des Projekts Fischer schaffen Lebensraum und dem gemeinsamen Anliegen zur Förderung der Seeforelle sind wir überhaupt zu einem neuen Verein geworden. Auch wenn es am Dorfbach etwas komplexer ist als an anderswo, profitieren wir von den etablierten Prozessen von Fischer schaffen Lebensraum.», so Michael Bohler vom Fischerverein Seetal.
Nach der erfolgreichen ersten Phase soll «Fischer schaffen Lebensraum» im Aargau weitergeführt werden. Für die Projektphase 2027 bis 2029 ist vorgesehen, weitere 1'500 bis 2'000 Meter Bachlebensraum mit Instream-Massnahmen aufzuwerten. Zudem sollen weitere Fischereivereine für das Projekt gewonnen, WWF-Freiwillige stärker eingebunden, die Öffentlichkeitsarbeit verbessert und das Projekt um den Bereich Ufer weiterentwickelt werden.
Über «Fischer schaffen Lebensraum»
Das Aargauer Projekt ist Teil von «Fischer schaffen Lebensraum» des Schweizerischen Fischerei-Verbands. Das schweizweite Projekt besteht seit rund zehn Jahren und unterstützt Kantonalverbände, Fischereivereine und weitere Naturschützende dabei, ihre Gewässer mit einfachen Massnahmen selbst ökologisch aufzuwerten. (Unter anderem mit Fachwissen, Grundlagen, Vorlagen und Vernetzung)
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