Das Velo steigert die Lebensqualität in Städten

Weshalb Veloförderung eine Langzeitaufgabe ist – am Beispiel von Aarau

Dem Velo wird in den kommenden Jahren eine sehr hohe Bedeutung zukommen. Davon ist Marco Caprarese, Co-Leiter Stadtentwicklung Aarau, überzeugt. «Es ist ein flächen- und energieeffizientes sowie emissionsarmes Verkehrsmittel.»

Allerdings hat Aarau, wie die anderen Aargauer Gemeinden Windisch, Zofingen und Brugg, die sich am «Prix Velo» beteiligt haben, Verbesserungspotenzial in Bezug auf die Velotauglichkeit. Eine Umfrage von Pro Velo hatte die Velofahrenden in der Schweiz aufgerufen, ihre Gemeinde anhand von rund 30 Aussagen zu den Themen Verkehrsklima, Sicherheit, Komfort, Wegnetz, Abstellmöglichkeiten und Stellenwert des Velos bei Behörde und Verwaltung zu beurteilen. Die Stadt Aarau nimmt freiwillig daran teil. «Das Ranking ist eines von mehreren Elementen, um den Puls der Bevölkerung zu spüren.»
 

Aarau wird zur Velostadt. Dieses Ziel wird im Velokonzept von 2019 formuliert. Gut Ding will allerdings Weile haben. «Das Velokonzept 2019 hat einen Planungshorizont von 15 Jahren», erklärt Caprarese. Es definiert aufgeteilt auf die Handlungsfelder «Hochwertige Veloinfrastruktur» und «Velokultur» Massnahmen, mit welchen die Stadt Aarau zur Velostadt werden soll. Das Gros der Infrastrukturmassnahmen sei aber an Bauprojekte gebunden. «Das heisst, deren Umsetzungshorizont liegt aufgrund der notwendigen Planungs- und Projektierungsschritte sowie der leider immer häufiger werdenden Einsprachen im mittel- bis langfristigen Bereich.» In den letzten zwei Jahren konnten aber mit dem neuen Veloweg durchs Torfeld Nord sowie der neuen, dritten Velostation «Ring am Bahnhof» wichtige Infrastrukturprojekte realisiert werden. 2021 wurde der Masterplan Veloparkierung fertiggestellt. Er nimmt sich der ganzen Stadt an, als spezielle Fokusgebiete werden der Bahnhofperimeter und die Altstadt definiert. Die «Parkierzonen» für Velos sind Teil eines Versuchsbetriebes zur besseren Organisation der Veloparkierung an den Hotspots, respektive den Zufahrten zur Altstadt. Die Erkenntnisse aus dem Versuchsbetrieb würden durchaus als positiv bewertet. 2023 wird sich schliesslich die Kommunikationskampagne «Weitsicht» schwerpunktmässig der Mobilität mit Fokus auf den Fuss- und Veloverkehr widmen. «Da Verhaltensänderungen aber ebenfalls meistens nicht von heute auf morgen geschehen, werden die Themen Kommunikation sowie Sensibilisierung von Bevölkerung und Verwaltung eine Daueraufgabe für die kommenden Jahre darstellen.»

Rotlicht an der Ampel? Stört viele Velofahrerinnen und -fahrer nicht speziell, sie fahren weiter. Fahrverbot auf einem Wanderweg? Hindert Zweiradler nicht, ihn trotzdem zu befahren. Rücksichtnahme auf Fussgängerinnen und Fussgänger auf Wegen mit gemischtem Langsamverkehr? Ist für einige der Velofahrerinnen und -fahrer ein Fremdwort. Kurz: Die Verhältnisse sind manchmal angespannt. Und die Einschätzungen variieren je nachdem, ob man gerade selber auf dem Drahtesel sitzt, zu Fuss oder mit dem Auto unterwegs ist. «Wir hören solche Beschwerden gelegentlich und nehmen diese ernst. Entsprechend sensibilisieren wir an verschiedenen Stellen die Verkehrsteilnehmenden zu einem rücksichtsvollen Miteinander», stellt Caprarese fest. Auch der zusammen mit dem Kanton entwickelte Testlauf für die Bahnhofstrasse, welcher sich aufgrund einer Einsprache verzögert, laufe unter dem Motto «Mitenand statt gägenand» und ziele auf ein rücksichtsvolles und gemeinsames Verkehrsgeschehen. Zudem kontrolliere die Stadtpolizei das Einhalten der Verkehrsregeln bei allen Verkehrsteilnehmenden. «Insgesamt kann die Situation in Aarau als gut bezeichnet werden.»

Für den Co-Leiter Stadtentwicklung ist klar: «Das Velo ist Teil der Mobilitäts- und Energiewende und damit auch ein wichtiges Element, um die Lebensqualität in den Städten auch in Zukunft zu erhalten, respektive weiter zu steigern.» Die Veloinfrastruktur werde in den kommenden vier Jahren in und um Aarau weiter konsequent verbessert. Ebenfalls würden die notwendigen mittleren und grösseren Projekte (zum Beispiel die neue Fuss- und Velobrücke über die Aare) mit Hochdruck weitergetrieben. Das Velofahren werde in und um Aarau in den kommenden Jahren deutlich attraktiver. «Wie weit dies aber bereits im nächsten Ranking messbar ist, wird sich zeigen.» Auch in anderen Städten würde das Velo zunehmend gefördert. Da Rankings relativ seien, werde es anspruchsvoll, die Rangierung in den kommenden Jahren zu ändern. Mit den geplanten Massnahmen werde sich die Situation der Velofahrenden in Aarau auf jeden Fall verbessern.

Eddy Schambron
Vorstand WWF Aargau

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